Die Antwort gibt’s nur in mir selbst

Aktualisiert: 30. Juni 2019

Am Wochenende habe ich mit meinem Mann das Seminar „Die Kunst, dein Ding zu machen“ mit einem der erfolgreichsten Trainer und Speaker im Bereich Persönlichkeitsentwicklung besucht - Christian Bischoff. Ich bin vergangenes Jahr irgendwann auf seinen Podcast gestoßen und hatte meinem Mann dann zu Weihnachten ein Ticket geschenkt. Er ist ziemlich resistent, was Bücher, Podcasts, Videos usw. zum dem Thema angeht und lässt sich im Gegensatz zu mir nicht dauernd in den Konsum solcher Themen „reinziehen“. Ich gebe es ungern zu, aber ich wollte ihn mit dem Geschenk quasi „zu seinem Glück zwingen“. Ich dachte mir, wenn er die Gedanken und Konzepte einmal in einem so professionellem Seminar hört, wird er im Nachhinein sicher genau so denken wie ich und wir können danach gemeinsam über diese Themen diskutieren und sein Business weiter nach Vorne bringen.


Etwa zwei Monate vor dem Seminar fragt mich mein Mann „Du kommst aber schon auch mit zum Seminar“. Ich sage „Nein, ich hab dir nur ein Ticket geschenkt. Und passe ich dann ja auf Laurin auf.“ Er meint „Nein, alleine gehe ich da auf keinen Fall hin“. Wir haben das Thema dann eine Woche aufgeschoben, dann kam eine E-Mail von Christian Bischoff. Freunde und Bekannte könnten noch Tickets zum halben Preis erwerben. Na gut, dann hab ich mir also auch ein Ticket geholt. Inklusive schlechtem Gewissen, dass Laurin dann wohl doch ein ganzes Wochenende bei Oma und Opa bleiben müsste.


Witzigerweise hatte ich mich vorab überhaupt nicht mit dem Seminar befasst. Mittlerweile hatte ich so viele weitere tolle Podcasts entdeckt und die Folgen von Christian Bischoff hörte ich kaum noch. Insgeheim dachte ich mir manchmal „Mist, vielleicht hätte ich doch ein anderes Seminar buchen sollen. Ich glaub dieser Bischoff sagt mir doch nicht mehr so ganz zu“. Vielleicht doch lieber Tobias Beck, Laura Seiler, Dieter Lange, Dr. Joe Dispenza, John Strelecky, Eckart Tolle, Boris Grundl oder Robert Betz. Ein Event von GEDANKENtanken wär auch toll gewesen. Oder halt was zum Thema Rhetorik, Hypnose, Mediation, Ayurveda...


Aber gut, es ging dann am Samstag um 6 Uhr morgens los in Richtung Kempten. Zwei volle Tage geballte Ladung Persönlichkeitsentwicklung warteten nun auf uns. Der Veranstaltungsort: BigBox Kempten. Teilnehmeranzahl: 3.000. Die Energie in der Halle erinnerte teilweise an ein Rockkonzert oder ein Fußballstadion. Wir jubeln Christian zu. Wir tanzen und hüpfen zu lauter Musik. Die Teilnehmer batteln sich gegenseitig darin, wer lauter jubeln kann. Die jeweils andere Hälfte der Teilnehmer schweigt und genießt in der „Gewinnerpose“. Zwischendrin klopfen wir unseren Sitznachbarn auf die Schulter uns sagen „Du bist ein Gewinner“ oder „Du bist ein Geschenk für die Welt“. Wir klatschen laut in die Hände und sagen „I feel GREAT“. In einer kurzen Pause nach einem Vortragsthema von Christian umarmen wir immer wieder spontan fünf bis zehn andere Teilnehmer. Wir schauen fremden Menschen drei Minuten lang in die Augen. Zwischendrin füllen wir unseren strukturierten Umsetzungsfahrplan aus, überlegen uns die zehn häufigsten Gefühle, die wir täglich fühlen, wir formulieren unseren persönlichen Lebenssinn und machen uns Gedanken zu unserer eigenen Beerdigung.


Es herrscht eine unfassbar positive und hoch aufgeladene Energie und Stimmung in der Halle. Keiner jammert, keiner beklagt sich über irgendwas - zumindest nicht so, dass jemand was merkt. In den Dos and Don'ts zum Seminar wird vorab ausdrücklich darauf hingewiesen, dass wir uns nicht damit beschäftigen sollen, was uns NICHT am Seminar gefällt, sondern den Fokus auf die Dinge legen dürfen, die uns weiter bringen können.


Die meisten Teilnehmer lassen sich komplett von Christians Worten in den Bann ziehen und beenden teilweise sogar seine Sätze mit ihm zusammen. Als ich das auch einmal gemacht habe, hat mich mein Mann gleich belustigt angeschaut. Mir ist es gar nicht aufgefallen...Christian sagt irgendwann, dass seine größte Angst am Anfang seines Weges war, dass die Leute seine Seminare als sektenähnliche Veranstaltung einstufen.


Mein Mann und ich sind uns einig: die Veranstaltung ist von Anfang bis Ende höchst professionell aufgezogen. Die Inhalte und die Inszenierung sind bis ins letze Detail durchdacht. Von dem Mann kann man sich viel abschauen, das gibt sogar mein Mann zu. Ehrliche und ergreifende Geschichten – top Storytelling.


Das Seminar „Die Kunst dein Ding zu machen“ ist das Start-Seminar seiner „Meisterwerk Leben Uni“. Es folgen zwei weitere mehrtägige Seminare zum Thema „Die Kunst, Glück und Erfüllung zu finden“ und „Die Kunst, selbstbestimmt zu Leben“. An unserem Wochenende werden alle Produkte von Christian Bischoff mehrfach angekündigt. Es scheint, als hätten fast alle Teilnehmer um uns herum entweder dieses Seminar schon mal besucht oder eines der anderen Seminare. Ansonsten haben sie auf jeden Fall vor, die weiteren Seminare zu besuchen. Ich erwische mich auch ein paar Mal bei dem Gedanken. Ich könnte da ja einiges verpassen, wenn ich die Chance nicht wahrnehme. Die Werbevideos sind aber auch einfach so brutal berührend, da kommen mir ein paar Mal die Tränen. Mein Mann ist natürlich auch hier sehr resistent.


Das Schönste an dem Wochenende war, dass wir beide einmal zwei komplette Tage nur für uns hatten. Einfach mal wieder ins Auto steigen ohne den Gedanken, wie Laurin wohl im Auto drauf sein wird. Essen gehen, ohne gleich nach einem Kinderstuhl Ausschau zu halten – mit dem Wissen, dass er da eh nur drei Sekunden lang sitzen bleiben wird. Ja, das war schon seeehr erholsam.


Wir hatten also zwei Tage nur für uns - inklusive ausreichend Inspirationsinput, um in den Pausen darüber zu diskutieren. Es ist ja nicht so, dass mein Mann nicht gerne über diese Themen spricht. Er lässt sich eben nur nicht so leicht beeinflussen, wie ich. Und das ist verdammt gut so, habe ich im Laufe des Wochenendes festgestellt. Er bringt mich immer wieder auf den Boden, wenn ich mal wieder anfange, die Worte von Christian – oder wahlweise von einem der anderen oben genannten Namen - nachzuplappern.


Eine sehr schöne Erfahrung für uns war unter anderem die Übung „Ein Tag in deinem Leben – heute in fünf Jahren“. Wir haben uns in der Pause unsere Gedanken gegenseitig erzählt. Es hörte sich alles wundervoll an – und auch ziemlich realistisch. Heißt das, wir träumen und denken nicht groß genug??


Insgesamt waren wir beide an dem Wochenende glaube ich ziemlich auf uns fokussiert. In den Pausen wollten wir unter uns bleiben. Kontakte haben wir nur sehr wenig geknüpft. Manchmal hat es sich für mich so angefühlt, als wären wir zwei nur als Beobachter in der Halle. Wir lassen uns zwar voll auf die Inhalte und Übungen ein, reflektieren es danach aber gleich, damit wir am Boden bzw. bei uns bleiben.


Was bleibt für mich nach dem Seminar? Vor allem folgende Erkenntnis: ich kann jeden Monat ein anderes Seminar, einen Vortrag oder Workshop zum Thema Persönlichkeitsentwicklung besuchen. Oder eben auch nicht. Denn letztendlich werde ich die Antworten auf meine Fragen nur IN MIR SELBST finden. Es hilft mir selbst recht wenig, wenn ich mich von einem Konzept oder Modell zum nächsten leiten lasse und alle Worte und Formulierungen in mir aufsauge. Solange ich zwischendrin nicht immer wieder BEI MIR SELBST ankomme, in mich rein höre und mir selbst und meinen Gedanken, meinen Gefühlen und meinem Herz zuhöre, wird sich langfristig auch nichts verändern.


Daher geht an dieser Stelle ein großes Dankeschön und Kompliment an meinen Mann, der die Kunst, SEIN Ding zu machen wohl schon lange vor mir verstanden hat. Und das ganz ohne 57 Bücher und 283 Podcastfolgen – oder so.

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