Sie will RAUS

Vorgestern habe ich auf Spotify nach Inhalten bzw. Podcasts zum Thema Yoga und Musik gesucht. Gefunden habe ich ein Podcast-Interview mit dem Musiker und Yogi Andreas Loh. Er komponiert Klaviermusik für Yogasequenzen und nennt dieses Yogasystem „Tala Yoga“. Ich saß wie in Trance da und die Gefühle wechselten sich ab zwischen tiefer Berührung und Ungeduld bzw. Aufregung. Die innere Stimme sagte die ganze Zeit „Mach das. Du kannst das doch jetzt schon. Fang endlich RICHTIG an loszugehen“. Und zwischendurch das Ego „Wenn der das schon macht, kannst du ja nicht auch noch erfolgreich damit sein. Und er hat ja immerhin Musik studiert und du nicht. So gut bist du auch wieder nicht“.


Zwei Tage später sitze ich in der Wohnung, Laurin schläft und mein ganzer Körper fühlt sich so unfassbar überfüllt an. Das geht mir auch schon länger so. Die Gefühle wechseln immer zwischen Unruhe und Aufregung. Es fühlt sich zwar wie eine positive Aufgeregtheit an, aber ich bekomme sie eben oft nicht weg. Schon gar nicht im Alltag. Vorhin habe ich mich dann für fünf Minuten ans Klavier gesetzt und einfach drauflos gespielt. Ich überlege mir kurz eine Harmoniefolge und könnte dann endlos weiterspielen. Und ich sehe es jetzt auch endlich klar vor mir WIE ich in Zukunft Musik machen werde. Nämlich genau so. Ich überlege mir ein Gerüst an Harmonien und einen groben Ablauf. Der Rest entsteht dann spontan und im Moment und ist jedes Mal anders.


Mir ist nun noch mehr klar geworden, dass Noten aufschreiben einfach nicht mein Ding ist. Alles in mir sträubt sich dagegen, sich für eine feste Notenabfolge zu entscheiden. WAS ich damit genau in Zukunft anfangen kann, kann ich im Moment auch nicht sagen. Ich vertraue einfach darauf, dass ich weiterhin tollen Inspirationsquellen begegne, die mir den Weg zeigen werden.


Es gibt so viel in mir, dass einfach RAUS in die Welt möchte. So viel, das durch mich hindurch möchte. Musik, die überall im Universum besteht und sich durch mich zeigen möchte. Mein Ego sagt natürlich zwischendurch immer wieder „Also jetzt komm mal wieder runter. Du hast hier noch NICHTS erreicht. Sei doch nicht so eingebildet“. Soll es reden, es kann ja auch gar nicht anders.


Es fällt mir momentan noch schwer, mir vorzustellen, wie ich den Raum dafür schaffen kann. Ich ziehe gerade so viele neue (und alte) Dinge in mein Leben, dass ich manchmal kaum Luft bekomme. Es macht mir aber alles so viel Freude und ich kann mich oft nicht entscheiden, was ich als erstes tun soll. An diesem Punkt ist das Ego auch sehr hartnäckig und sagt Dinge wie „Pass auf, dass du deine Familie, Freunde und deinen Job und Verein nicht vernachlässigst. Sei nicht so egoistisch. Schau doch auch erst mal nach den anderen und nicht immer zuerst nach dir selbst“. Das sind harte Worte finde ich. Aber so ist das Spiel es Lebens. Es gibt einen Grund, warum der Verstand oft harte Worte findet. Vielleicht ist der Verstand gerade dann besonders hart zu uns, wenn wir unserer inneren Stimme oder unserer Berufung folgen. Er bildet einen wichtigen Gegenpol, ist quasi unser permanenter Sparringspartner. Ich finde, wir dürfen ihm gut zuhören. Alles glauben müssen wir jedoch nicht. Und uns schon gar nicht davon einschüchtern lassen. Ich probier’s auf jeden Fall...

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