Yoga, Musik und ich

Ich wusste bisher nie so richtig, was ich mit meiner Musikalität anfangen sollte. Manchmal überlege ich, wo ich jetzt wäre, wenn ich nach dem Abi Musik studiert hätte. Wirklich weit komme ich hier jedoch mit meiner Vorstellungskraft nicht, denn es passt glaube ich einfach nicht so richtig zu mir. Erst letztens hat eine Schulfreundin, die mit mir Abi gemacht hat und selbst Berufsmusikerin ist, zu mir gesagt, dass sie es immer noch toll gefunden hätte, wenn ich beruflich etwas mit Musik gemacht hätte. Ich hatte auch mal das Thema Musiktherapie im Kopf. Da ich jedoch damals nicht wusste was es damit genau auf sich hat, ist es dann auch wieder in den Hintergrund geraten.


Ich bin jedoch davon überzeugt, dass es schon einen Grund gibt, warum mein Weg bisher die Musik nie so richtig in den Mittelpunkt gestellt hat. Bei meiner ersten Kundalini Yoga Stunde in der Schwarzwald Seele in St. Georgen spielte die Lehrerin am Ende ein Segenslied mit der Ukulele. Ich hatte davor schon einige Yoga Stunden in andere Studios besucht, bisher hat dort jedoch noch nie jemand live musiziert. Voller Freude saß ich da im Schneidersitz und geschlossenen Augen und sang gleich eine zweite Stimme mit. Von dem Moment an fühlte ich mich einfach angezogen von diesem tollen Ort und besuchte regelmäßig die Kurse dort. Im Nachhinein war es tatsächlich ein augenöffnender Moment für mich. Ich hatte einfach ein leises, aber bestimmtes Gefühl, dass meine Musik bald eine Heimat finden würde. Und impulsiv wie ich bin, habe ich mich ein paar Wochen später für die Yogalehrer Ausbildung in St. Georgen angemeldet. Trotz Kleinkind, Teilzeitjob, Vereinsvorsitz und was man halt sonst noch so in seiner Freizeit macht. So sollte es einfach sein, die Wochenenden für die Seminare wurden freigeschaufelt. Ich wundere mich eigentlich immer noch, dass das möglich war. Naja, wo ein Wille ist...


Nun ist das erste Seminarwochenende vorbei und für mich hat sich noch eine ganz neue Welt geöffnet. Mantras singen. Hang Drum, Hand Pan, Harmonium, Klangschalen, Gong. Warum hat mir bisher niemand von dieser Art Musik zu machen erzählt? Wenn ich die ganzen Yoga Instrumente höre, werde ich ganz unruhig, nein ich könnte sogar ausrasten, weil mir meine innere Stimme die ganze Zeit sagt, dass ich dass doch eigentlich schon alles in mir habe. Es gibt hier ja auch tatsächlich eine enge Verbindung zu den Schlaginstrumenten im Orchester, die ich schon so viele Jahre spiele. Nur war bisher eben wenig Intuition, Impulsivität und Gefühl dabei, sondern ein Dirigent, Noten und Taktzahlen.


Im Seminar durfte ich dann am Sonntag das Sadhana (Morgenpraxis) anleiten. Nach der Endentspannung sangen wir einige schöne Mantren und ich durfte spontan mit meiner Gitarre unseren Lehrer begleiten. Und ganz zum Schluss durfte ich meine eigene Version des Segenslied "May the long time sun" spielen. Es ist einfach ein so schönes Gefühl, wenn die Musik, der Ton, der Klang, die Worte im Vordergrund stehen und nicht der Musiker selbst. Man kann die Musik in jeder Zelle seines Körpers und auch im Raum um sich herum spüren.


Von Osho gibt es hierzu ein schönes Zitat: "Wenn ein Lied zu Ende ist, hinterlässt es in der Atmosphäre eine bestimmte Qualität - die der Abwesenheit. Sie ist nicht mehr wie zuvor. Die Atmosphäre hat sich vollkommen verändert. Weil das Lied existiert hat und dann verschwindet...Nun ist da die Abwesenheit des Gesangs. Beobachte sie - alles Sein ist von der Abwesenheit des Gesangs erfüllt. Und das ist schöner als jeglicher Gesang, denn es ist der Gesang der Stille."


Ich stehe hier noch ganz am Anfang, finde alles unfassbar aufregend und habe auch gar keine Ahnung, was da genau auf mich wartet. Jedoch vertraue ich darauf, dass sich mein Weg mir zeigen wird. Der erste Schritt ist ja auf jeden Fall schon mal getan.


Ach ja und so eine Hand Pan musste ich mir dann gleich bestellen...




44 Ansichten

©2020 by Tanja Kammerer.